DIE VERGESSENE STADTMITTE

Bremerhaven, eine Stadt die nach dem zweiten Weltkrieg in der Innenstadt zu 97% zerstört wurde, braucht mehr als das Weiterstricken einer damals notwendigen Nachkriegsarchitektur.

Die Innenstadt ist stark geprägt von einer gesichtslosen Nachkriegsarchitektur, die rein ihrem Zweck unterworfen ist.

Es scheint so, als würde Bremerhaven dieses Modell einfach fortstricken ohne Rücksicht auf die Geschichte, auf den Ort und die damit verbunden Qualitäten einer Stadt im Norden.

Andere deutsche Städte wie Berlin, Frankfurt, Dresden oder Potsdam fangen an ihre historischen Städte wieder zu errichten, zum Teil rekonstruiert, zum Teil auf einer alten Parzellenstruktur neu interpretiert, weil sie zumindest städtebaulich erkannt haben, welche Qualität eine solche Stadt bietet.


Seit nun 70 Jahren versucht Bremerhaven die Stadtmitte in Richtung Wasser zu verschieben. Neue Stadtkronen sollen die Zeichen Ihrer Zeit symbolisieren und die Stadt attraktiver machen. Angefangen vom Rathausentwurf in den 40er Jahren am Neuen Hafen, über die Großstruktur des Columbus Center der 70er, bis heute mit dem neuen Wahrzeichen der Stadt am Alten Hafen. Die Stadtsilhouette zeigt die städtebauliche kontroverse am Deutlichsten auf.

Dabei ist die Stadtmitte geschichtlich ganz klar definiert. Mit der Stadtgründung von 1827 und dem 1834 gebauten Marktplatz, dem heutigen Theodor-Heuss-Platz, hat Bremerhaven seine alte Mitte vergessen und vernachlässigt.

Schaut man zurück auf den Marktplatz zum Ende des 19. Jahrhunderts ist dieser geprägt durch zahlreiche Geschäfte, Handelstreibende Geschäftsleute sowie Flaneure.

Heute ist er leider die Rückseite der Stadt. Als Tourist oder Anwohner vom Hauptbahnhof kommend, wird man direkt am Neuen Hafen ausgesetzt.


Während an der Hochschule Bremerhaven oder am Neuen Hafen neue oder gegebene Strukturen weiter gebaut wurden, ist die Aufgabe im Alten Zentrum eine andere.

Jeder Ort, Stadtteil, Platz, Parzelle hat eine Geschichte und mit der sollten sich die Architekten auseinandersetzen und nicht selbstlos ihre eigene Architektur oder im schlimmsten Fall die des Investors realisieren.

Es muss sich stark gemacht werden für eine gute angemessene Architektur. Dies ist zum einen die Aufgabe des Architekten, weil er die notwendige Ausbildung genossen hat. Für den Zweck des Scheiterns eines solchen, ist die Stadt dafür verantwortlich und nicht zuletzt der Bürger, der in dieser Stadt lebt!



DAS HAUS AM THEODER-HEUSS-PLATZ


Das Gebäude vom ehemaligen Nordsee-Hotel-Naber bietet mit der Neubebauung des Grundstücks die einmalige Chance die Stadt in ihrem Herzen auf adäquate Weise aufzuwerten.

Ein Neubau, ob Rathaus, Hotel, Geschäft- und Wohnhaus oder Gastronomie könnte den Platz zu einem neuen Ganzen ergänzen, ohne die Eigenständigkeit sowohl des Vorhandenen, als auch des Neuen zu verschleiern. Der Neubau sollte auf kontrastierende Originalität verzichten und sich stattdessen an der strukturellen Ordnung der Vorgängerbauten des 19. Jahrhunderts und dem städtischen Gefüge des Kontextes orientieren und damit einen tatsächlich zeitgenössischen Ausdruck schaffen.

Die Parzelle mit seiner langen Seite zum Platz erfordert eine malerische Gliederung um dem Maßstab eines großen Hauses am Platz gerecht zu werden.

Ganz besonders der Theodor-Heuss-Platz und damit Stadtplatz Bremerhavens hat es verdient, dass das Haus zum Platz eine diesem einmaligen Ort angemessene Präsenz und Erscheinung entwickelt.

M U D L A F F  &  O T T E

A r c h i t e k t e n  P a r t G m b B