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WOHNEN IN DER SPEICHERSTADT - BLOCK L

Es gibt zwei Prinzipien welche städtebaulich und grundrisstypologisch die Speicherstadt bestimmen. Zum einen die Fließrichtung der Elbe, sie organisiert die Fleete und Straßenräume, wodurch städtebaulich die Ausrichtung der Speicher definiert wird und zum Anderen das Be- und Entladen der Speicher, welches quer im rechten Winkel zur Fließrichtung der Elbe und somit zu den öffentlichen Verkehrsachsen erfolgt und grundrissprägend für die Speicher ist.

Das typologisch besondere der Speicherböden ist der durchgehende Raum welcher die Verkehrsfläche Wasser mit der Verkehrsfläche Straße verbindet.

Der Vorgang / die Funktion des Be- und Entladens der Speicher manifestiert sich in der Fassade, durch die sich gegenüberliegenden Ladeluken mit Windenausleger und innenräumlich durch den Bodenbelag, der als Spur die beiden Luken verbindet. Durch den Wechsel im Bodenbelag wird zwischen „Verkehrsfläche“ und Lagerfläche in dem sonst leeren durch Stützen gegliederten Raum der Speicherböden differenziert.


Der Entwurf / Die Analogie

Für unseren Entwurf haben wir uns einen analogen Typus gesucht, die Casa Veneziana. Die Casa Veneziana (venezianischer Palazzo) war immer Wohnhaus und Warenlager zugleich und hatte zwei Zugänge, einen vom Wasser und einen von der Landseite. Die beiden Eingänge öffneten sich in einem breiten, zentralen, verbindenden Korridor, dem Atrio. Der Atrio hat in seiner Gestaltung oft den Charakter eines überwölbten Straßenraumes. Über dem Atrio, im Piano nobile, lag ebenfalls ein zentraler, alles verbindender Raum, der Portego.


Raumkonzept:

Um eine bessere Belichtung der Wohneinheiten zu erreichen, erhält der gesamte Speicher im First ein durchgehendes Oberlicht. Das Oberlicht orientiert sich in seiner Konstruktion und Gestaltung an das einst für den Speicher geplante Muster in der Dachhaut. Das Oberlicht findet seine Fortsetzung im Inneren durch drei Lichthöfe die bis in den 4. Boden reichen. Die Dimensionierung der Lichthöfe wird  durch das vorhandene Stützenraster/Konstruktion definiert, so dass nur Nebenträger aus dem Bestand entfernt werden müssen.

Von besondere Bedeutung für die Belichtung und den eingeschränkten Ausblick sind die Lukenstränge, da sie die größten Öffnungen in der Fassade darstellen.

In  dem Rasterfeld vor den Luken,  zwischen dem 4. und 5. Boden, wird  die Decke entfernt, um hier einen zweigeschossigen Raum, der über beide Lukenöffnungen beleuchtet wird, zu erhalten. Zusätzlich erhält dieser zweigeschossige „Lichtraum“ Licht über ein Lichtlenkungssystem aus dem Firstoberlicht. Um diesem „Lichtraum“, der zum Atrio bzw. zum Portego gehört liegen die Hauptaufenthaltsräume der einzelnen Wohneinheiten. Die Eingriffe in den denkmalgeschützten Bestand sind auf ein Minimum reduziert. Von außen wird hauptsächlich nur ins Dach eingegriffen. Im Inneren werden überwiegend nur Decken und Nebenträger aus der vorhandenen Konstruktion entfernt.  Die neu eingestellten Wände liegen im Stützenraster, sollen aber im Detail, wenn konstruktiv möglich, mindestens zu einer Seite die Bestandskonstruktion sichtbar lassen.


Erschliessung:

Erschlossen werden die Wohnungen über das bestehende Treppenhaus, welches um einen Aufzug ergänzt und zu einem Sicherheitstreppenhaus ausgebaut wird. Bei dem großzügigen Wohnen, jeweils nur an den Kopfenden, erfolgt die Erschließung direkt über die Schleuse. Ebenso beim Seniorenwohnen. Beim individuellen Wohnen wird das Atrio, als erweiterter Straßenraum in die Erschließung miteinbezogen. Dieser Bereich kann gemeinschaftlich genutzt werden. Eine Erweiterung der Wohnungen zum Dachraum über drei Ebenen ist partiell möglich.


Haustechnik und Bauphysik:

Die benötigten haustechnischen Anlagen für Heizung und Lüftung finden im Dachraum genügend Platz. Die Fallleitungen werden nur an Außenwänden bzw. an den Brandwänden gebündelt geführt. Die erforderlichen Dämmeigenschaften werden durch das Hineinstellen der Konstruktion in den Bestandsspeicher mit einer innenliegenden Dämmung ermöglicht. 


M U D L A F F  &  O T T E

A r c h i t e k t e n  P a r t G m b B